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Archiv der Kategorie Literature

Neue Leseerfahrungen Weihnachtsferien 2011

In den Weihnachtsferien und drum herum habe ich gleich mehrere (kürzere) Bücher gelesen, die es wert waren. Da die Bücher teilweise verschiedenen Kategorien angehören, kommt man zu meinen Kommentaren darüber am besten über Was ist neu?

Sprachinseln

Zum Problem der sterbenden Sprachinseln in Europa habe ich in den Weihnachtsferien ein spannendes Buch gelesen und auf Verbalissimo vorgestellt. Näheres siehe unter Karl-Markus Gauß, Die sterbenden Europäer.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal an die Verbalissimo-Seite Sprachentod erinnern.

Didier van Cauwelaert

In den Weihnachtsferien habe ich zwei Bücher von Didier van Cauwelaert gelesen, die mir sehr gefallen haben. Näheres bei den Buchbesprechungen unter Didier van Cauwelaert, Unknown identity und Didier van Cauwelaert, Das Findelkind.

Internationalisierung der amazon-Links

Viele Bücher erscheinen in mehr als einer Sprache, und ein Verbalissimo-Leser, der eine bestimmte sprachliche Benutzeroberfläche benutzt, kann durchaus Literatur in einer anderen Sprache suchen. Auch kann sie oder er ständig oder vorübergehend im anderssprachigen Ausland wohnen, aber Literatur in ihrer bzw. seiner Muttersprache suchen. Bei unseren Literaturhinweisen waren wir bisher aber durch die starke nationale Parzellierung von amazon eingeschränkt. Zum Glück hat sich die Lage nun stark gebessert, denn die einzelnen amazon-Portale bieten immer mehr fremdsprachige Literatur an und auch Zustellungen über Landesgrenzen hinweg sind nicht mehr ein absolutes Hindernis.

Daher läuft bei Verbalissimo.com derzeit eine große Umstellungsaktion mit dem Ziel, die Angebote der verschiedenen amazon-Portale für jedes Buch in einer Tabelle zu bündeln. So können Sie selbst entscheiden, bei welchem Portal Sie was anschauen und vielleicht auch bestellen. Beachten Sie aber die Preise und Lieferbedingungen der verschiedenen Portale, vor allem bei grenzüberschreitenden Lieferungen.

Da diese Aktion mit viel Arbeit verbunden ist, kann sie nicht auf einen Schlag erfolgen. Sobald eine Seite umgestellt ist, wird sie ins Netz gestellt. Für viele Seiten ist dies bereits der Fall. Achten Sie bitte auf die internationalen Angebote, damit ich nicht umsonst gearbeitet habe. (Der gute Mann denkt an sich, selbst zuletzt.)

Viel Vergnügen und vor allem Erfolg beim Schmökern!

Hans Hower

PS: Falls Sie Lücken ntdecken, kann das am Fehlen eines entsprechenden Angebots bei amazon - oder an einem Fehler bei der Datenerfassung liegen. Leider sind die Daten der Bücher beim Buchhändler nicht immer vollständig und nicht immer widerspruchsfrei. Bis jetzt wurden aber alle meine Verbesserungsvorschläge abgelehnt…

Stieg Larsson, Millennium-Trilogie

Endlich bin ich dazu gekommen, diese umfangreich Trilogie zu Ende zu lesen. Es war eine Art Hürdenlauf: Erst schenkte mir ein französischer Verwandter den ersten Band auf Französisch. Nach dieser Lektüre wartete ich auf die nächste Gelegenheit, mir den zweiten Band auf Französisch zu besorgen, aber da schenkte mir ein anderes Familienmitglied diesen Band auf Deutsch. Der war zwar schnell gelesen, aber dann kam alles Mögliche dazwischen, so dass ich mich nicht um den dritten Band kümmern konnte. Doch meine Frau hatte aufgepasst, und prompt bekam ich den Band zu meinem diesjährigen Geburtstag geschenkt. Und jetzt sind auch diese 800 Seiten gelesen. Hurra!

Ich fand diese Lektüre unheimlich spannend und noch dazu aufschlussreich zum Verständnis schwedischer Denk- und Lebenswelten. Bei einem so dicken Werk findet man natürlich immer etwas, was man bemängeln kann, aber Spannung und Faszination überwiegen bei Weitem. Das ist mehr als ein Krimi! Auch wenn ein Roman nie ein genaues Ebenbild abgibt, entsteht hier ein eindrückliches Bild von realen Schwierigkeiten und Bedrohungen (= Möglichkeiten) der schwedischen (und auch unserer eigenen) Gesellschaft.

Mehr dazu siehe bei Verbalissimo.com unter Schwedische Literatur.

Jonathan Kellerman, Gnadentod (Dr. Death)

Habe das Buch gerade gelesen und war von seiner psychologischen Dichte und seinen tollen Dialogen begeistert. Ein Krimi, den ich allen Nicht-nur-Action-Freaks empfehlen kann.

Mehr dazu auf Verbalissimo.com unter Angelsächsische Literatur.

Hans

Bruno P. Kremer & Klaus Richarz, Wer lässt die Katze aus dem Sack?

Kaum gekauft, schon heftig gelesen. Wer sich für deutsche Redensarten und ihre Herkunft interessiert, findet hier viel spannendes Material. Ich empfehle das vergnügliche Buch, obwohl ich (natürlich wieder mal) etwas daran auszusetzen habe. Näheres verrate ich auf Verbalissimo.com unter Literatur zu Redensarten und Sprichwörtern.

Heinrich Breloer & Frank Schauhoff, Mallorca, ein Jahr

Zufällig bin ich auf dieses Buch gestoßen, das einen deutschen Journalisten eine Auszeit von einem ganzen Jahr auf Mallorca nehmen und die Ballermann-Insel von ungewöhnlichen Seiten her entdecken lässt. Sicher kein Roman der großen Weltliteratur, aber ein netter “Reiseführer” der besonderen Art zur Vorbereitung eines Mallorca-Urlaubs. Länger darüber ausgelassen habe ich mich auf Verbalissimo.com.

Otto Betz & Rainer Riesner, Verschwörung um Qumran? Jesus, die Schriftrollen und der Vatikan

Dieses Buch gehörte im letzten Monat zu meinen spannenderen Lektüren. Nicht dass ich mir davon besondere neue Erkenntnisse zum Thema Qumran, Essener und Urchristentum erhofft hätte. Seit den 1960er Jahren (damals übersetzte ich fleißig Qumran-Texte, die uns an der Qumran-Forschungsstelle der Uni Heidelberg als Fotokopien zur Verfügung standen) war eigentlich klar, dass die von manchen Leuten befürchtete oder erhoffte große Erschütterung des Christentums ausbleiben würde. Mich interessierte v.a., dass das Buch die ganze vertrackte Veröffentlichungsgeschichte der Qumran-Rollen und die hin- und herwogende, oft heftige Diskussion der Gelehrten noch einmal zusammenfasst. Allerdings fällt schon auf, dass die Autoren lieber ihre gelehrten Kollegen als die römisch-katholische Kirche in Zweifel ziehen. Mehr dazu siehe meine ausführlichere Besprechung.

Georg Kövary, Ein Ungar kommt selten allein

Authentischer als Kövary, der selbst österreichischer Ungar ist und alle von ihm den Ungarn zugeschriebenen Laster und Qualitäten teilt, kann man nicht über die Ungarn schreiben. Wenn der unvorbereitete Leser auch unter der schieren Menge der in manchen Kapiteln dargebotenen Informationen ächzen wird, empfehle ich jedemmann und jederfrau wärmstens diese Sach- und Lach-Lektüre als genussvollen Einstieg in die ungarische Mentalität, Geschichte, Literatur, Kultur, Sport, Musik, Film, Theater und was es sonst noch gibt. Kövary hat da kaum etwas ausgelassen. Die Einführung in die ungarische Sprache bleibt zwar beim Anekdotischen, aber das ist ja sowieso das Spannendste… Da die Kapitel themenbezogen sind, kann man auch manche davon je nach Gusto dreimal oder gar nicht lesen. Ein Tipp: Wer sowieso schon Angst hat, dass die ganze Welt von Ungarn unterwandert wird, sollte das Buch nicht lesen, denn es wird seine Ängste bestätigen… ;-)

Einige Kostproben:

“Der Ungar ist ein Mensch wie du und ich, nur ganz anders.”

“Árpád (d.h. der Ungar, meine Anm.) ist treu in der Liebe. Manchmal mehreren Frauen zugleich.”

“Die ungarische Sprache bietet eine beispiellos einfache Verständigungsmöglichkeit. Allein, dahinzugelangen, sich einfach ausdrücken zu können, ist so kompliziert wie ein moderner technischer Mechanismus, der ja im Endeffekt auch etwas Alltägliches, Selbstverständliches produziert, etwa Licht oder Ton oder Bild.”

Also ran an die Lesebrillen!

Hans

PS: Kövary schreibt auf Deutsch (genauer: Österreichisch-Deutsch mit ungarischem Einschlag), daher landete er hier in der deutschen Literatur.

PPS: Die mir vorliegende Neuauflage des Buches bringt auch noch die letzten geschichtlichen Ereignisse in Ungarn. Die allerletzten, nämlich der beschämende Auftritt der Pfeilkreuzler-Epigonen, sprich: Neonazis, bei ihrem Einzug ins ungarische Parlament und die Wiedereinführung der Pressezensur wurden Kövary erspart, denn er starb 2009.

PPPS: Siehe auch Literatur zu politischen und gesellschaftlichen Themen.